Römisches Museum Haus Bürgel
Das Museum im ehemaligen Römerkastell Haus Bürgel wurde 2003 eröffnet und zeigt in einer Dauerausstellung zahlreiche Ausgrabungsfunde aus römischer Zeit. Sie geben nicht nur Aufschluss über die Geschichte dieses Ortes – die hier gemachten Funde lassen auch die Besatzungspolitik, den Alltag und das Militärwesen in der römischen Provinz wieder lebendig werden.
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Schon im Mittelalter war bekannt, dass die damalige Burg Bürgel auf den Fundamenten einer spätrömischen Militäranlage erbaut wurde. Doch erst im 20. Jahrhundert brachten archäologische Ausgrabungen genaueren Aufschluss über die Geschichte und die Funktion von Haus Bürgel in der Römerzeit.
Die Grabungen begannen 1993. Sie wurden veranstaltet von der Außenstelle Overath der Rheinischen Bodendenkmalpflege unter der Leitung von Dr. Michael Gechter und vom Archäologischen Institut der Universität Köln unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Fischer.
In der artenreichen Auenlandschaft der Urdenbacher Kämpe siedelten sich im 1. Jahrhundert Menschen an, die mit römischer Lebensweise in Berührung gekommen waren. Im Verlauf des 4. Jahrhunderts wurde ein massives Militärkastell mit zwölf Wehrtürmen errichtet, wovon Mauerreste bis heute zu sehen sind. Möglicherweise wurde ein noch älteres Militärlager zu diesem Kastell umgebaut.
Nach dem Sieg der Franken über die Römer und der Rückeroberung der linken Rheinseite verfiel das Kastell zu einer Ruine und wurde erst im hohen Mittelalter wieder zu einer Burganlage ausgebaut. Erstmals erwähnt wird Haus Bürgel in einer Urkunde aus dem Jahr 1019 als „castrum in burgela“, woraus sich der heutige Name ableitet.
Wo lag „Burungum“?
Wie Haus Bürgel zur römischen Zeit genannt wurde, ist ungewiss. Die These, Bürgel sei mit dem aus der Antike überlieferten „Burungum“ (auch die Schreibweise: „Buruncum“ kommt vor) gleichzusetzen, wurde 1855 von dem Krefelder Schulrektor Dr. Alfred Rein aufgestellt. Die Fachwelt ist ihm darin nicht gefolgt. „Burungum“ dürfte wohl eher in Köln-Worringen zu lokalisieren sein, auch wenn dort klare archäologische Befunde fehlen.
Einen interessanten Hinweis auf mögliche römische Relikte in Worringen gibt die „Rheinische Dorfchronik des Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1783–1823)“, erschienen 1966 im Eigenverlag der damaligen Amtsverwaltung Dormagen (S. 180). Im Oktober 1802 notierte Delhoven:
„Der Rhein ist kleiner als jemalen. Man geht trockenen Fusses auf das Worringer Werth. Auch ist die Mauer dort im Rheine von weitem sichtbar, sie kann 40 Fuss lang und 24 Fuss in der Breite haben, die Worringer brechen viele Steine dort aus; es sind meistens Unkelsteine [Basalt aus den Steinbrüchen von Unkel].“
Der Mitherausgeber der Chronik, Prof. Dr. Reiner Müller, interpretierte Delhovens Angaben so: „Eine Mauer von rund 7½ Meter Dicke im Rhein bei Worringen ist m. E. am wahrscheinlichsten als ehemalige Wallmauer der römischen Befestigung Buruncum zu deuten. Eine solche Mauer hatte wohl die Aufgabe, ausser feindlichen Angriffen auch Hochwasser und Eisgang abzuwehren.“
Von der linken auf die rechte Rheinseite
Der heute vorhandene Eckturm von Haus Bürgel stammt aus dem späten Mittelalter, ruht aber auf römischem Fundament. Immer wieder wurde Haus Bürgel verändert; weg vom Hort der Armee, hin zur friedlichen Nutzung als Gutshof. Dessen Besitzer waren fast dreihundert Jahre lang die Grafen von Nesselrode, bis zum Verkauf 1989 an die Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Die Grafen von Nesselrode errichteten 1837/38 ein neues Herrenhaus. Es beherbergt heute unter anderem das Museum.
Mächtiger als selbst der römische Kaiser war in früheren Jahrhunderten der Rhein. Bei starkem Hochwasser schafft er es sogar heute noch, das einstige Kastell im Sturm zu nehmen. Zur Römerzeit lag Haus Bürgel – wie die anderen Festungen am niederrheinischen Limes auch – auf der linken Seite des Stroms.
Es muss eine gewaltige Sturzflut gewesen sein, die Vater Rhein zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 derart aus dem Bett warf, dass er Haus Bürgel seither rechts liegen lässt. Es ist einsichtig, dass die Römer ihren vorgeschobenen Posten links- und nicht rechtsrheinisch ansiedelten. Zwischen ihnen und den Stämmen der Germanen lag so der Fluss als natürlicher Schutzwall.
Die Maternus-Kapelle
Bürgel orientierte sich in frühester Zeit denn auch nach Zons. Im Innenhof von Bürgel stand vermutlich seit dem neunten Jahrhundert die Kirche der Zonser, benannt nach Maternus, dem ersten namentlich bekannten Bischof von Köln. Bürgel blieb Mutterkirche auch als Zons längst eine Filialkirche erhalten hatte und von der Maternus-Kapelle durch den neuen Rheinverlauf getrennt war.
Der in Zons wohnende Geistliche musste zur Predigt in Bürgel im Boot übersetzen. Die Bürgeler Pfarrei wurde erst 1843 aufgehoben. Die letzten Überreste der Kapelle wurden um 1916 beseitigt.
Fast drei Jahrhunderte lang konnten die Römer ihr Reich ausbauen, ohne dass sie von den ansässigen Germanenstämmen ernsthaft bedroht waren. Die Grenze zwischen Römischem Reich und Germanen entspricht dem damaligen Rheinverlauf. Als die Einfälle der Franken immer häufiger wurden, ließ Kaiser Konstantin (306–337) zur Grenzsicherung eine Kette von neuen Militärkastellen am Rhein entlang erbauen. Ob auch Haus Bürgel in konstantinischer Zeit errichtet wurde oder erst im weiteren Verlauf des 4. Jahrhunderts, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.